Schülermobilität nach Lyon 14.09.2019 – 05.10.2019 Pro Tandem

Am 14. September war es soweit, erwartungsvoll stiegen die insgesamt zehn Auszubildenden mit den begleitenden Lehrkräften in den Flieger via Amsterdam nach Lyon. In Lyon angekommen wurden wir empfangen von einem unserer französischen Kollegen und unserem Sprachbegleiter. Vom Flughafen aus machten wir uns dann gemeinsam auf den Weg zu unserer Unterbringung.

Untergebracht waren wir im Ethic Etapes – CISL – Lyon, die Zimmer zweckmäßig, ein großer Tisch im Flurbereich wurde „unser“ Gruppentisch, die Verkehrsanbindung gut, das Frühstück eher einfach, typisch für Frankreich, denn die Franzosen legen auf das Frühstück deutlich weniger wert, als wir.

Die erste Woche war geprägt durch die Begrüßung in der Partnerschule, dem Lycée Professionel Hélène Boucher Vénissieux/Lyon, der Einteilung in den Praktikumsbetrieben und dem Besuch der Markthallen von Lyon, benannt nach dem berühmtesten Koch Lyons „Les Halles Paul Bocuse“.

Ein französischer Köche-Kollege begleitete uns. Höhepunkt hier war das gemeinsame Verzehren von Muscheln, Austern und Seeigeln. Probiert haben alle, auch wenn dies für manchen von uns ungewohnte Produkte waren.

Bald darauf starteten unsere Auszubildenden ins Praktikum, dass insgesamt für drei Wochen absolviert wurde. In den Betrieben war einiges sehr ähnlich oder gleich, aber es gab auch Unterschiede in den jeweiligen Berufen. Eine Empfindung hatten alle, unabhängig vom Beruf: Das Arbeiten ist nicht so gehetzt wie bei uns.

Die Hotelfachleute erfuhren im Bereich des Service, dass beim Eindecken von Tischen und beim Einsetzen von Tellern einiges anders ist, als in Deutschland. So werden zum Beispiel in Frankreich aus Gründen der Höflichkeit stets die weiblichen Gäste zuerst bedient.

Im Bereich der Gebäudereinigung spielt die Unterhaltsreinigung eine viel größere Rolle als die Objektreinigung.

Mit ihren Kolleginnen und Kollegen haben sich unsere Schülerinnen und Schüler trotz anfänglicher Sprachbarrieren über das berufliche Tun, über den Googleübersetzer, Englisch und ein bisschen Französisch trotzdem gut verstanden.

Besonders hervorzuheben sind die durchaus positiven Rückmeldungen der Praktikumsbetriebe über unsere Auszubildenden.

 

Schülerberichte

Hotelfach/Restaurantfach

Mein Praktikum in Lyon habe ich im „ICEO“, einem mediterranem Restaurant, untergekommen. Das „ICEO“ liegt am Place Jane Jaures, und ist mit der Tram und der U-Bahn von unserer Unterkunft aus innerhalb von 15-20 Minuten gut zu erreichen.

Meine Arbeitszeiten sind montags bis freitags, jeweils von 10-17 Uhr.

In der Zeit von 10 bis 11:30 Uhr bereite ich täglich die Terrasse für das Mittagsgeschäft und den unteren Bereich der Terrasse für abends vor. Danach helfe ich im inneren Bereich des Restaurants bei den Vorbereitungen. Hierzu gehört sowohl das Ausfegen und Wischen, die jeden Tag wechselnde Mittagskarte in die Speisekarte einzuheften und die Tische fertig einzudecken.

Von ca. 11:30 bis 11:50 Uhr esse ich gemeinsam mit meinen französischen Kollegen und Kolleginnen zusammen Mittag und anschließend ziehen wir uns um. Ab 12 Uhr beginnt das Mittagsgeschäft. Täglich haben wir mittags 100-150 Gäste und teilweise sind die Tische innerhalb von 2,5 Stunden bis zu drei Mal besetzt.

Wenn die meisten Gäste weg sind, machen wir die Tische sauber und decken alle zusammen wieder neu ein. Da Alle außer mir Teildienst haben und um 15 Uhr in die Pause gehen, erledige ich in der letzten Stunde noch Reinigungsarbeiten, wie z.B. wieder das Restaurant ausfegen oder die Türen sauber machen. Schon ab dem ersten Tag habe ich unseren Gästen das Essen serviert. Wenn die Gäste mehr als ein „merci“ gesagt haben, habe ich sie gefragt, ob sie Englisch sprechen oder Unterstützung von einem Kollegen bekommen.

Das gesamte Team ist mega nett und ich habe mich schnell sehr wohl gefühlt. Auch die, die kein Englisch mit mir sprechen, kommunizieren auf Zeichensprache mit mir, was erstaunlich gut klappt.

Auch wenn ich mir ursprünglich als Hotelfachfrau gewünscht habe, Einblicke in die Arbeit eines französischem Hotels zu bekommen, bin ich letzten Endes sehr zufrieden in meinem Betrieb und kann wirklich nur jedem diese Erfahrung empfehlen. aus dem Praktikum:

 

Koch

Als Auszubildender Koch arbeite ich bei Jéremy Galvan, dem Sternekoch von dem gleichnamigen Sterne Restaurant, welches hochklassige Gängemenüs mit Weinbegleitung und weiteren Specials im Abend anbietet. Zum Beispiel die frittierten pochierten Wachteleier, die ich herstellen darf, außerdem fange ich um 8:30 , 3 mal die Woche an mit dem Mise en place an, für den Posten des Amuse-Bouche und dem Aperitif, bei dem ich jetzt nach zwei Wochen alles reibungslos mit dem Mitazubi herstellen kann, nebenbei, wenn Zeit ist, helfe ich den anderen Posten bei der Anfertigung des Mise en place für das Mittagsgeschäfts um halb 1, bei dem ich auch beim Anrichten der Teller helfen darf. Nach der ersten Grundreinigung der Küche, nach dem Mittagsgeschäft um 15 Uhr, habe ich die Teilzeitpause bis um 17:30, zu Arbeitsbeginn fertige ich wieder die Vorbereitung der Lebensmittel zu, mache Chlorophilsponge für das Amuse oder schneide Schweinetrommelfelle gefroren an der Aufschnittmaschine, die wir mit Sepia-Essigmischung im Konvectomaten bei 180 Grad Celsius für 20 Minuten „heiß schießen“, wie man im Koch-Fachjargon sagt, um sie im Abendservice à la Menü zu frittieren, da sie als Deko im Fischgang von mir auf den Hauptgang gelegt werden. Um 11:30 ist die Küche wieder sauber, worauf ich um halb 1 Zuhause bin, und nach 5,5 Stunden Schlaf wieder aufstehen darf.

Gebäudereiniger

Wir Gebäudereiniger haben in Frankreich für 3 Wochen ein Praktikum in der Firma E.C.S Entretien Clean Service gemacht. Unsere Arbeitszeiten sind von 7:00-14:00 Uhr. Wir werden jeden Morgen abgeholt und Mittags wieder abgesetzt. Die Arbeitskollegen sind sehr nett und versuchen mit einem auf Englisch zu sprechen oder mit Hand und Fuß zu kommunizieren.

Unsere Tätigkeiten sind Hausmeisterdienst oder Unterhaltsreinigung.

Es hat viel Spaß gemacht und ich würde es jedem neuen Azubi empfehlen, da es sehr

entspannt und locker zugeht auf der Arbeit hier in Frankreich und man Bereiche

sieht, die man in Deutschland eventuell nicht sieht.

 

Fachliches Programm der Mobilität nach Lyon

Champagner-Tasting

Am zweiten Samstag in Lyon gab es ein weiteres Tasting in der Cave de la Boucle, die wir ja schon vom Weintasting kannten. Wir durften 3 Champagner und dazu 3 Käsesorten probieren.

Am Anfang wurden uns 4 verschiedene Größen von Champagnerflaschen vorgestellt, die aufgereiht auf dem Tisch standen. Insgesamt gibt es 13 Größen,von 0,2 Liter (Piccolo)bis 18 Liter (Melchior); jede Größe wird mit einem anderem Namen bezeichnet. Champagner stammt aus der Champagne und darf nur aus Trauben hergestellt sein, die in den 320 festgelegten Orten (Crus) der Champagne angebaut wurden. Es gibt nur 3 Rebsorten, aus denen Champagner produziert wird: Chardonnay hat eine sehr hohe Qualität, Pinot noir hat einen starken Geschmack, und Pinot Meunier mit einer fruchtigen Note. Der Zuckergehalt wird mit folgenden Vokabeln beschrieben:

Brut nature (max 3g /l Zucker), Extra Brut, Brut, Sec und Demi Sec (am meisten Zucker).

Bei der Produzenten wird zwischen zwei Arten unterschieden.

Hersteller, die ihre Rebsorten auf ihren meist kleinen Gütern selbst produzieren und daraus ihren eigenen Champagner herstellen, werden als recolant manipulant bezeichnet. Produzenten, die Rebsorten von anderen ankaufen und daraus produzieren, heißen negociant manipulant.

Herstellung von Champagner:

Die Trauben werden von Hand geerntet und anschließend 3 Mal gepresst. Aus der ersten langsamen Pressung entsteht der qualitativste Saft, aus der 2. Pressung werden Bitterstoffe gewonnen und der Saft aus der 3. Pressung wird für Liköre verwendet.

Nun wird dem Saft Hefe zugegeben und der Gärprozess wird eingeleitet. Dies geschieht zur Winterzeit. Nach der ersten Gärung wird die Hefe, das Depot, vom Champagner getrennt. Dann können die Säfte der 3 verschiedenen Champagnerrebsorten miteinander vermischt werden (blending). Anschließend erfolgt eine zweite Gärung mithilfe einer Likördosage. Währenddessen werden die Flaschen ständig “gerüttelt”. Heutzutage geschieht dies maschinell. Bei der Verkostung wurde uns ein Champagner vorgestellt, der 5 Jahre lang gerüttelt wurde!

Nach der Gärung wird die restliche Hefe entfernt und dann wird dem Champagner nach Bedarf Zucker zugegeben.

Pro Jahr gibt es eine Produktionsbegrenzung von insgesamt 349000000 Flaschen, wobei meist 310000000 Flaschen produziert werden.

In den Orten Epernay und Reims werden die Flasche in 100 km langen Champagnerkellern gelagert.

48% der Flaschen werden nach Großbritannien, USA, Deutschland und Japan verkauft. All diese Information wurden uns in gemütlicher Atmosphäre von dem französischen Weinladenbesitzer erklärt.

 

Halle de Bocuse

Die Halle de Bocuse kann man wie einen gehobenen Wochenmarkt betrachten, in der es von allem nur das Beste gibt und die Händler versuchen, dies auch auf die schönsten Arten zu zeigen. In der Halle gibt es fast Alles, was das Gourmetherz begehrt. Vom Chateau Wein aus dem Jahr 1990 bis zu einem Stück des feinsten Rinderfleisches. Da wir nicht nur mit leeren Bäuchen herumlaufen sollten, gab es eine Verköstigung bei Maison Rousseau, wo der Koch im Vorwege alle seine Spezialitäten aus dem Meer vorzeigte und wie man diese verspeist. Danach bekamen wir 2 beträchtliche Teller mit Meeresfrüchten auf Eis und wir durften einen geschmacklichen Einblick in die Spezialitäten des Meeres bekommen. Auch wenn es nicht allen geschmeckt hat, war es eine Erfahrung wert und ich würde jedem empfehlen, einen Abstecher in die Halle de Bocuse zu machen wenn er in Lyon ist.

 

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